
Als mein Mann und ich uns entschieden haben, rund um Málaga Urlaub zu machen, war neben der Alhambra der Caminito für mich gesetzt.
Der Weg entstand ursprünglich beim Bau von Wasserkraftwerken als Transportweg für Material. Nach Fertigstellung der Bauwerke wurde dieser Weg – in der Nacht sogar beleuchtet – von der Bevölkerung als Abkürzung benutzt. Allerdings verfiel er durch den weichen Sandstein immer mehr. 2001 wurde er nach mehreren Todesfällen durch Abstürze geschlossen, war aber weiterhin durch den gegenüber verlaufenden Zugtunnel erreichbar. Das haben Kletterer weiterhin genutzt, da hier auch tolle Klettersteige verlaufen. Seit 2015 gibt es den Weg in seiner heutigen Form.
Für den Weg benötigt man ein Permit, sprich, man muss sich voranmelden. Es gibt die Variante, in einer Gruppe mit einem Ranger zu laufen (Stand September 2026: 18 €), oder individuell (Stand September 2026: 10 €). Wir haben auch gleich ein Ticket für den Parkplatz mitgebucht (derzeit 2 €). Als zusätzlicher Kostenpunkt fällt der Transport mit dem Bus an. Das kann man ebenfalls vorab buchen und kostet für den ganzen Tag 5 €, ist allerdings über einen anderen Anbieter.
Man kann sowohl den Bus als auch das Permit vor Ort kaufen. Was beim Bus kein Problem ist, ist beim Permit sehr wohl eines. Während ich auf meinen Eintritt gewartet habe, waren einige Leute da, die auf gut Glück aufgetaucht sind. Am gleichen Tag gab es für die Gruppenführungen gar keine Tickets mehr und für die Einzelläufer erst am Nachmittag. Das war um halb elf.
Auf der Webseite empfehlen sie eine Vorausbuchung von bis zu drei Monaten, wenn man sicher sein will, dass man zu einer bestimmten Uhrzeit auch reinkommt.




Wenn man mit dem Bus vom Großparkplatz kommt, muss man noch ca. zwei Kilometer laufen, bis man zum eigentlichen Eingang kommt. Es ist gut ausgeschildert, ansonsten gilt: „Folge den Massen.“
Wenn man am Eingang ankommt und auf seinen Slot wartet, sollte man die Gelegenheit zum Toilettengang noch einmal nutzen. Auf den gesamten rund sieben Kilometern gibt es erst am Ausgang wieder eine Möglichkeit. Und je nachdem, wie voll der Weg ist, ist an den Engstellen mit Wartezeiten beim Passieren zu rechnen, was das Ganze verlängert.
Wenn der Slot gekommen ist, gibt es erst einmal Helme und eine kurze Einweisung auf Englisch oder Spanisch, wie man sich zu verhalten hat. „Wege nicht verlassen“, „nicht an den orangenen Markierungen stehen bleiben wegen Steinschlaggefahr“ – solche Dinge.


Ich war in der individuellen Gruppe, also ging es für uns los, und die Gruppe hat sich schnell auseinandergezogen. Erst einmal geht es total easy entlang eines Weges, links geht es abwärts in die Schlucht. Es ist ein ganz normaler Bergweg, wie man ihn aus den Alpen kennt, vielleicht ein T2.
Die aufgestellten Infotafeln sind entweder auf Spanisch oder Englisch. Der Weg wird schmaler, es geht durch ein Tor und schwupps, ist man auf Holzbohlen. Der Abgrund zur Linken wird tiefer und unter meinen Füßen ist – nichts mehr.
Es ist wie in einer Klamm, weit unten sieht man in Türkis den Fluss Río Guadalhorce. Wenn man unterwegs auf Gruppen trifft, muss man entweder warten oder sich durchschlängeln, weil diese Teilnehmer vom Ranger noch Dinge erzählt bekommen, die ich vorher schon durchgelesen hatte.
Ich schaue nach oben und sehe einige sehr große Vögel über der Klamm kreisen und die Thermik ausnutzen. Sie gleiten sehr elegant dort oben. Ich frage eine Rangerin, was das denn für Vögel sind. Ich tippe auf Adler, aber es sind Geier.


Die Schlucht heißt, neben der Bezeichnung Caminito del Rey, Desfiladero de los Gaitanes. Gaitanes ist ein historisches Wort für Greifvögel. Voilà, die Geierschlucht. 😊
Dieser erste Part ist rund zwei Kilometer lang.
Danach kommen rund zwei Kilometer „normaler“ Weg ohne tiefe Blicke direkt neben sich, ohne Geländer oder Gestein über dem Kopf. Hier sind auch mehrere Bänke am Weg, um eine Pause einzulegen.
Dann geht es wieder durch ein Tor, auf die zweite Passage mit Holzbohlen, Geländer und tiefen Blicken. Jetzt sieht man auch die Bahnstrecke, die auf der anderen Seite der Schlucht entlanggeht. Ich habe Glück und sehe auch einen Zug dort entlangfahren. Sehr langsam und bedächtig. Auch der Zug hat hier eine Geschwindigkeitsbegrenzung.
😊

Jetzt kommt man zu einem der Hotspots, der Geduld erfordert, weil es so eng ist, dass man nicht vorbeikommt: der Glasboden. Der ist nicht sonderlich groß und wegen des Gewichtes dürfen maximal drei Personen gleichzeitig drauf. Aber jeder will ein Foto, und das braucht nun mal seine Zeit.

Keine 200 Meter weiter ist dann die nächste Engstelle, die erste Hängebrücke. Dort dürfen zehn Personen gleichzeitig drauf. Wieder warten, bis die Gruppe vor uns Individualisten gesammelt drüber ist, dann wir – mittlerweile fünf Indis –, dann wieder eine Gruppe.
In der ist eine Dame, die offensichtlich mit der Höhe so ihren Punkt hat. Der Ranger läuft rückwärts vor ihr her und leitet sie mit vielen Worten über die Brücke. Sie schafft es und ist sichtlich stolz, dass sie es geschafft hat.
Ich laufe weiter, eine Leiter hinab, um die nächste Felsnase und … die nächste Hängebrücke. Noch länger als die erste. Ob die Lady die auch so meistert? Ich warte nicht darauf, sondern laufe weiter in Richtung Ausgang.
Nach rund sieben Kilometern ist man aus dem Gebiet draußen. Es gibt Lokale, Souvenirshops und Toiletten, und hier ist auch der Abgabepunkt für die Helme.
Nach einem biologischen Boxenstopp und meinen obligatorischen Postkarten geht es auf die Suche nach dem Bus zurück. Dazu muss man der Straße bergauf folgen. Auf der linken Seite stehen sehr viele Menschen, geschätzte drei Busladungen vor mir in praller Sonne.
Also warten: Bus eins, Bus zwei und tatsächlich bin ich bei Bus drei einer der Ersten und fahre zurück zum Parkplatz, wo ich meinen Mann wiedersehe, der sich den Weg gespart hat und lieber am Eingang der Schlucht gut essen war.









Fazit
Gefährlich ist an dem Weg nichts mehr. Für Leute mit Höhenproblematik ist er nicht zu empfehlen. Flip-Flops sind trotzdem kein Schuhwerk für den Weg. Vorbestellen ist m. E. zwingend.
Lohnend ist er aber auf jeden Fall.
