Nach meinem Frühstück im Hotel „De Golf“ in Bredene (ein kleines Hotel mit Frühstück und netten Gastleuten) fahre ich mit De Lijn wieder nach Wenduine und steige dort in den Wanderweg ein.
Heute ist in Belgien Feiertag, der Nationalfeiertag. Vielleicht sind deswegen so früh bisher nur ein paar Surfer unterwegs.
Direkt am Eingang des Strandes ist ein Infopunkt mit Erklärungen zum Thema Dünenbildung. Ich lerne, dass ich hier auf jungen Dünen unterwegs bin. Junge Dünen sind keine 100 Jahre alt, liegen nah am Wasser und sind z. B. mit Sandroggen oder Meersenf bewachsen.
Dennoch ziehe ich es vor, direkt an der Wasserkante entlangzulaufen. Wenn so wenig los ist, der Blick weit reicht und nur das Rauschen des Meeres zu hören ist: es gibt für mich nicht viel Entspannenderes. Auf einem der Wellenbrecher sitzt ein ganzer Trupp Möwen und Kormorane, als würden sie auf das Frühstück warten.


Nach nur 1,5 Kilometern biege ich ab, um die Mühle zu suchen, die ich auf meiner Fahrt mit der Bahn gesehen habe. Nordsee und Mühlen gehören für mich irgendwie zusammen, aber ich habe bisher nicht viele erspäht. Deswegen nehme ich den kleinen Umweg in Kauf.
Bald bin ich wieder auf dem Weg, der mich jetzt durch den Dünenwald führt. Nach der Asphaltschlacht gestern versöhne ich mich immer mehr mit dem Weg. Zwar haben die Belgier offensichtlich einen Hang dazu, Wanderwege pflastern zu wollen, aber gleich daneben ist die Joggingstrecke feinster, recht sandiger Waldboden. Wann immer es geht, bin ich halt ein Jogger. Und es sind nach wie vor nur wenige Leute unterwegs, schon gar keine Jogger. Somit komme ich niemandem ins Gehege.


Die nächsten vier Kilometer geht es durch diesen schönen, schattigen Wald, bevor die nächste Ortschaft kommt. Und nun bin ich wirklich überrascht, denn hier gibt es eine wunderschöne Bebauung. Lauter alte Villen, ganz wenige hohe Gebäude. Ich komme an tollen Hotels und B&Bs vorbei. In einem Hotel hat laut Infotafel Einstein öfter einmal Kaffee getrunken. De Haan ist teilweise eine sehr alte Stadt. Die schöne Bebauung verdankt die Stadt Leopold II., der für die Bebauung viele Auflagen erteilt hat. Zum Beispiel den anglo-normannischen Baustil, Einzelbebauung und Gärten. Er war ein schlauer Mensch, scheint mir. Auch der Bauboom der 60er Jahre hat daran nicht viel geändert. Irgendjemand in der Gemeindeverwaltung war klug genug, nicht denselben Fehler zu begehen wie seine Kollegen ringsherum.



Hier geht es dann auch gleich in den nächsten schattigen Waldabschnitt. Drei Kilometer laufe ich wieder durch den Wald, an vielen Spielplätzen vorbei. Bei einem Gerät kann ich nicht widerstehen und kraxele darauf herum. In Vosseslag biegt der Weg wieder in Richtung Meer ab und ich komme an dem Fotomotiv vorbei: Ein schöner Leuchtturm erscheint vor mir. Dieser Leuchtturm ist kein Leuchtturm im eigentlichen Sinn, sondern ein Kunstwerk, entworfen von Guillaume Bijl. Es ist eine sogenannte „Situationsinstallation“. Man kann hier auch hinaufsteigen.



Das mache ich nicht, sondern laufe weiter. Meine Füße freuen sich schon darauf, wieder aus den Schuhen herauszukommen und im Wasser zu laufen. Wie man auf dem Foto unschwer erkennen kann, laufe ich diese Strecke mit hohen Wanderschuhen. Das ist bei Wärme nicht ganz so angenehm, aber für Sand, zumindest nach meiner Erfahrung, eine gute Wahl. Da landet nicht ganz so viel Sand in den Schuhen wie bei niedrigen Wanderschuhen. Sandalen sind für mich hier keine Alternative, weil Feuchtigkeit und Sand Schmirgelpapier ergeben – und das mögen meine Füße noch weniger.
Ich laufe noch einmal vier Kilometer am Strand entlang bis nach Bredene.

