Mit der Lijn geht’s wieder los, dieses Mal in Richtung De Panne. Das ist der letzte größere Ort in Belgien vor der Grenze nach Frankreich. Die Fahrt dauert fast eine Stunde. Ich steige an einer Kirche aus und suche den Einstieg. Es ist sonnig und schon einigermaßen warm.
Bald biege ich von der Straße in den Wald, ein kleiner Trampelpfad führt mich zum Weg. Rechts herum wäre ich dann in ca. fünf Kilometern in Frankreich. Ich biege aber links ab und „opfere“ die hin und zurück 10 Kilometer Weg.

Es geht durch den Dünenwald. Und es sind Dünen, die man hier hoch und runter läuft, der Boden ist feiner Sand. Aus einem Schritt werden durch das Herabsinken schnell mal 1,5 Schritte. So kenne ich das Laufen auf Sand, das habe ich die ganze Zeit schon erwartet.
Nach rund fünf Kilometern sehe ich aus dem Augenwinkel eine Mühle. Leider ist sie nicht am Weg, ich biege kurz ab, entdecke noch einen schönen Picknickplatz und fotografiere sie schnell. Zum Besuchen ist sie nicht, sondern es ist ein Restaurant, das um diese Zeit noch geschlossen ist.
Weiter geht’s durch die Dünenlandschaft. Es ist spannend, ich höre Stimmen und Geräusche der Zivilisation, aber so mitten im Sand komme ich mir dennoch einigermaßen allein vor. Der Weg schlängelt sich durch die Wohnbebauung, ohne dass man diese laufend sieht. Schön gemacht und gut ausgezeichnet.





Nach rund zwei Stunden Sandlaufen habe ich genug davon und verlasse den offiziellen Weg. Außerdem habe ich Hunger und Durst, und in den Dünen finde ich nichts, was mir da hilft. Durch das doch sehr warme Wetter ist mein Wasservorrat schon arg zusammengeschmolzen und ich brauche Nachschub. Ich frage eine Familie, die mir entgegenkommt, ob in der Nähe ein Markt ist, und sie weisen mir den Weg.
Also laufe ich schnurstracks in Richtung Wasser auf der Suche nach dem Einkaufsmarkt. Den finde ich nicht, aber eine Frietjes Snackbar. Ich habe bisher noch nicht einmal in Belgien Pommes gegessen und finde, nun ist echt der richtige Zeitpunkt dafür. Es gibt Pommes mit mindestens 20 verschiedenen Saucen. Ich habe die Qual der Wahl, kann mir auch nicht alles so schnell übersetzen und bleibe schlussendlich beim Ketchup 🙂 Was man halt so kennt. Sehr lecker.


Weiter geht’s in Richtung Küste. Es ist ja auch mein letzter Tag am Meer und ich will es noch ein wenig auskosten. Unterwegs komme ich noch an einem Eisladen vorbei. Wer sich hier in Deutschland über die Preise von einer Kugel Eis beschwert … 3 € ist ein Wort. Und größer als hier sind die Kugeln auch nicht. Ich bleibe bei einer Sorte, das ist selbst mir zu viel für meine Gelüste.
Ich erreiche den Strand, das Meer ist wieder ganz weit draußen und ich folge der Wasserlinie für fast fünf Kilometer bis Nieuwpoort Strand. Bei meinem Weg kann ich einer Möwenmama dabei zusehen, wie sie ihren fast ausgewachsenen Küken zeigt, wie man kleine Krebse fischt. Die Kleinen stellen sich recht gut dabei an, aber als eines der Küken einen recht großen Krebs rausholt, ist der Futterneid doch größer als die Lehrbereitschaft und Mama schnappt sich den Leckerbissen. Damit hatte der Kleine nicht gerechnet und schaut ein wenig traurig seinem schönen Fang hinterher.



Das Wetter zeigt sich heute von seiner besten Seite. Es ist sonnig, warm und windig genug, dass ich nicht schwitzen muss. Als ich dann am Ende meines Weges den Strand verlasse und in die Häuserschluchten einbiege, merke ich erst, wie warm es tatsächlich heute ist, und bin froh, dass mein Weg zu Ende ist.
Fazit des Weges:
Einmal quer durch Belgien 🙂 Hört sich toll an, ist es auch. Und vor allem ist es abwechslungsreich. Von einem der größten Containerhäfen der Nordsee, jungen Dünenlandschaften, kilometerlangen Strandabschnitten, wahlweise bebaut oder auch sehr einsam, Kunst entlang der Küste, schönen und weniger schönen Orten, jede Menge Restaurants und sehr netten und immer hilfsbereiten Belgiern – alles dabei.
Der Weg ist klasse gekennzeichnet und sehr einfach zu finden. Durch die Lijn ist es bequem möglich, die Etappen an die jeweils eigenen Bedürfnisse anzupassen. Unterkünfte sind mannigfaltig, für jeden Geschmack vorhanden. Es ist ein toller Einsteigerweg für Leute, die das weite Wandern mal ausprobieren wollen, oder für Leute, die gerne an Küsten entlanglaufen.
Au revoir oder Tot ziens in Belgien 🙂

