Allein, dass ich den gesamten, rund 55 Kilometer langen Wanderweg in einem Bericht zusammenfasse, lässt vermuten: Viel gab es da nicht zu sehen.
Das Positive gleich vorweg: Der Weg ist nicht sonderlich anstrengend, er ist gut ausgezeichnet und er ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.
Allerdings ist die Bezeichnung „Burgenpfad“ dann doch ein wenig irreführend. Entlang der Strecke gibt es exakt eine Burg – die Ronneburg. Sonst liegt die andere mögliche Burg nicht an der Strecke und eine Kaiserpfalz ist nun mal keine Burg. Von daher weckt die Bezeichnung, zumindest bei mir, Erwartungen, die nicht erfüllt werden.
Aber der Reihe nach. Der Weg startet für mich am Bahnhof von Friedberg. Friedberg, eine ehemals freie Reichsstadt, hat durchaus eine Burg, nur liegt die nicht am Burgenpfad, sondern rund zwei Kilometer entfernt. Ich habe heute rund 20 Kilometer vor mir, da biege ich nicht extra ab. Der Weg startet, vor dem Bahnhof stehend, nach rechts, die Straße entlang, durch eine Unterführung der Hauptstraße folgend. Da sehe ich dann auch das erste Mal mein Wegezeichen, das mich auf dem Weg begleitet: ein grünes Kreuz auf weißem Grund.
Aus der Stadt heraus geht es ein kleines Stück recht idyllisch entlang der Usa, einem kleinen Zufluss der Nidda, die auch einen schönen Radweg ihr Eigen nennt (vielleicht ein anderes Mal). Entlang der B 275 geht es auf dem Radweg in Richtung Ossenheim, einem Stadtteil von Friedberg. Schöne Fachwerkhäuser säumen meinen Weg, eine Bäckerei (wo ich mir auch sogleich etwas kaufe und andere Weitwanderer treffe, allerdings sind die auf Pilgerreise) und es gibt einen Privatstand mit Himbeermarmelade, sodass ich mich erst einmal eindecke. Weiter geht es entlang gepflasterter Wege und Straßen bis nach Wickstadt, einem ehemaligen Klosterbesitz. Es hat ein schönes, gut renoviertes Herrenhaus, Zutritt ist verboten, da es sich um Privatbesitz handelt.






Nach rund zehn Kilometern bekomme ich endlich mal etwas anderes als Asphalt unter die Füße und es geht auf einen Wald zu. Dort liegt, leicht versteckt, Maria Sternbach mit der Wallfahrtskirche St. Gangolf mitten im Wald. Ich habe Glück, heute ist da ein Fest. Ich mische mich unter die Leute, kaufe mir noch eine Bratwurst und setze mich kurz dazu. Ich war und bin nicht katholisch, somit bin ich mit den diversen Heiligen immer etwas aufgeschmissen, und von Gangolf hab ich noch nie gehört. Er war ein Ritter zu Zeiten Pippins, vermutlich gestorben 760, und „er gilt als Pferdepatron, aber auch als Helfer bei Augen-, Haut- und Gelenkkrankheiten“ (Quelle Wikipedia).
Weiter geht’s unspektakulär durch Wald und Wiese, leider nur für runde sieben Kilometer, bevor es am Kloster Engelthal wieder auf Asphalt geht und bis Altenstadt auch nicht mehr anders wird.
Tag zwei startet dann wieder am Bahnhof von Altenstadt. Auch heute startet der Weg auf einem Radweg auf Asphalt. Nach rund zwei Kilometern biegt der Weg aber in den Wald ab. Heute rettet den Weg, dass wir für die nächsten Kilometer dem Limesweg folgen. Viele Details zum Leben der Römer am Limes, mit einer Turmrekonstruktion und den Stelen zu den diversen germanischen Stämmen, sorgen für Abwechslung. Leider zweigt nach weiteren vier Kilometern der Weg nach rechts ab, wir müssen nach links und sind im Ort Langen-Bergheim. Dort gibt es so nicht viel zu sehen, aber es gibt einen Eisladen. Dort kehren wir ein und essen erst einmal ein Eis.
Nach diesem Snack laufen wir weiter. Leicht bergauf, leicht bergab, entlang von Wiesen und durch den Wald. Leicht zu laufen, unspektakulär im Gelände, vorbei an der Hammersbachquelle, einigen Weitblicken. Dann geht’s wieder mal bergab in den Ort Altwiedermus. Und jetzt sehen wir – eine Burg. Juchee! Es ist die Ronneburg. Es wird die einzige Burg entlang des Weges bleiben. Wir laufen den Berg hoch.
Die Geschichte der Burg ist wechselhaft. Gebaut wurde sie von den Kurmainzern, dann ging sie an das Haus Ysenburg. Dieses hatte in der Folgezeit Linien, die mangels Kindern ausgestorben sind, Linien, die mit 15 Kindern gesegnet waren, Erbfolgekriege, weil zu viele Söhne – also wurde die Ronneburg hin und her gereicht in den Linien derer von Ysenburg. Erst im Jahr 2004 hat das Haus Ysenburg die Burg verkauft und nun befindet sie sich im Besitz einer GmbH. Es gibt heute dort viele Veranstaltungen (unter anderem diverse Mittelaltermärkte) und es gibt ein Restaurant. Meinem Mann hat es geschmeckt, mir überhaupt nicht 🙂 Möge ein jeder sich seine eigene Meinung bilden.






Nach dem Essen geht´s zurück nach Altwiedermus zum Bus, der uns zurück nach Altenstadt bringt.
Die dritte Etappe mache ich dann wieder allein. Ich fahre nach Altwiedermus, laufe nicht zur Ronneburg hoch, sondern suche eine Abkürzung. Was mir dennoch nicht erspart bleibt**,** ist der Anstieg nach oben. Man kann es ja mal probieren 🙂 Auch heute ist der Weg nicht mit Highlights gepflastert. Und der Asphaltanteil ist heute wieder hoch.
In Mittel-Gründau gibt es zwar keine Burg, aber eine fürstliche Domäne. Immerhin. Leider ist die nicht zu besichtigen und ich laufe weiter. Nach rund neun Kilometern ist ein Highlight der „Hühnerhof“. Ein Golfhotel mit Restaurantbetrieb. Es ist Mittag und ich esse dort etwas.
Nachdem ich gestärkt bin**,** laufe ich los und der Weg führt mich mitten durch den Golfcourt. Das finde ich etwas scary, weil auch Golfer unterwegs sind. Ich halte nach fliegenden Golfbällen Ausschau und beeile mich, dort durchzulaufen. Danach geht es wieder in den Wald, leichtes Auf und Ab, und ich verlaufe mich das erste und letzte Mal auf dem gesamten Weg. Für sieben Kilometer bleibe ich im Wald, bevor es nach Gelnhausen runtergeht.
Gelnhausen, bereits 1170 gegründet, war Ort eines wichtigen Reichstages, an dem Heinrich der Löwe verurteilt und seine Besitzungen von Barbarossa neu vergeben wurden. Er wurde Barbarossa wohl zu mächtig.






Im Dreißigjährigen Krieg dann wurde Gelnhausen verpfändet und ist im Nachgang geschichtlich in der Versenkung verschwunden. Aber noch heute existiert die Kaiserpfalz mit, in weiten Teilen, originaler Bausubstanz, was sie zu einer Besonderheit werden lässt. Hier kann man im Original sehen, dass selbst wild in der Gegend umherziehende Kaiser es gerne schön hatten. Die Steinmetzarbeiten, die noch heute gut zu erkennen sind, sind toll und lassen erkennen, dass diese Pfalz nicht nur rein funktional war. Der Eintritt in die Pfalz kostet 4 €.
Fazit zum Weg: Der Burgenpfad ist wenig spektakulär, einfach zu laufen, in weiten Teilen gut ausgeschildert. Würde ich ihn noch mal laufen? Eher nicht. Die Kaiserpfalz am Ende war aber dennoch super.
