Meine Freundin Kirsti und ich sind wirklich alte Reisegefährten. Wir waren schon auf jedem Kontinent zusammen unterwegs. Immer mit dem Rucksack, immer in einer interessanten Mischung aus Vorplanung und spontanem Entscheiden. Wir waren schon in Chichiriviche, einfach weil es sich toll angehört hat und voll durchgeplant in Indien, was dann ganz anders kam, wie geplant.

Im letzten Jahr kam sie mit der Idee um die Ecke, unbedingt die Victoria Fälle sehen zu wollen. Die Falls sind mitten in Afrika und grenzen an die Länder Sambia und Simbabwe. Sie sind die längsten Wasserfälle der Welt mit einer Länge von 1708 Meter und UNESCO Weltnaturerbe.
Bei so einer abenteuerlichen Idee brauche ich keine zwei Minuten zu entscheiden, es zu tun. Somit ging es auch gleich an die Planung und wir haben uns für Anfang Mai entschieden, da die Regenzeit in der Gegend im April vorbei ist und die Fälle somit beeindruckende Wassermassen führen. Bis zu 10.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde rauschen dann 110 Meter in die Tiefe.
Unsere Entscheidung mit der Qatar Airways zu fliegen, weil es dort attraktive Lay-over -Angebote gibt, sollte sich als ein wenig unglücklich erweisen, aber es konnte ja keiner vorhersehen, dass es zu einem kriegerischen Konflikt in der Gegend kommt.
Bei der Vorplanung war schnell klar, dass wir auf jeden Fall die Fälle von beiden Seiten, also von Sambia und von Simbabwe aus, sehen wollten. Beim Brüten über der Landkarte kam dann noch Botswana in den Blick (ich schreibe Botswana absichtlich in dieser Weise, nicht in der neudeutschen Schreibweise Botsuana, weil ich es übergriffig finde, Eigennamen zu verhunzen. Zumal Botswana übersetzt „Land der Swana“ bedeutet und die werden ja wohl wissen wie sie heißen.) Da wir, wie oben beschrieben, schon viel in der Welt unterwegs waren, haben wir keine Sekunde daran gedacht, diese Reise geplant zu machen, sprich in einer Gruppe. Und es war überhaupt kein Problem, diese Tour „unorganisiert“ durchzuführen. Wir sind also mit Qatar Airways via Doha und Johannesburg nach Victoria Falls in Simbabwe geflogen.
Da wir uns entschieden hatten, gegen den Uhrzeigersinn zu reisen, sind wir mit einem vorab gebuchten Transfer vom Flughafen zur Grenze nach Sambia gefahren. Dort muss man aussteigen und die Grenzformalitäten erledigen. Unser Transfer war hier gesplittet, weil es Fahrern aus Simbabwe nicht erlaubt ist, über die Grenze zu fahren. Aber das war alles super organisiert. Sowohl in Simbabwe, als auch in Sambia (und auch in Botswana) kann man als Deutscher ohne Vorab Visum einreisen. Wenn man allerdings eine Rundtour, so wie wir es gemacht haben, plant, ist es günstiger für Simbabwe gleich ein Double Entry Visum bei der Ersteinreise zu verlangen. Das kostet 45 $ und ist, entgegen der jeweiligen Einzeleinreise, mit 30$ doch was günstiger. Die Einreise nach Sambia ist gebührenfrei (bis zu 90 Tage). Ein wenig Geduld muss man an der Grenze schon mitbringen, aber nach 20 Minuten waren wir durch.

Die Grenze Simbabwe/Sambia ist Mitten auf einer Brücke. Unser sambischer Fahrer gibt uns die Möglichkeit über die Brücke zu laufen und wir sehen das erste Mal die Victoria Fälle und vor allem hören wir sie. Ein feiner Sprühnebel liegt in der Luft und wenn 10.000 Kubikmeter Wasser in die Tiefe stürzen, ist es laut. So laut hätte ich es nicht erwartet. Es ist faszinierend.
Am Ende der Brücke steigen wir wieder ins Auto und fahren zu unserer Unterkunft der „Maramba River Lodge“ und fallen erst einmal ins Bett. Am nächsten Tag fahren wir dann auch gleich zu den Victoria Fällen, die hier im Mosi-ao-Tunya Nationalpark liegen. Um von nach A nach B zu kommen, ist es in allen drei Ländern oft besser ein Taxi zu nutzen. Die Entfernungen sind weit, auf Fußgänger ist man nicht so eingerichtet, man ist das letzte Glied in einer langen Kette.
Der Eintritt auf der sambischen Seite ist mit 20 $ nicht mal halb so teuer, wie auf der anderen Seite. Sambia hat aber auch nur rund 25% der Fälle auf seinem Staatsgebiet. Wir sind sehr früh unterwegs und es sind außer einer Gruppe sambischer Missionsschwestern noch keine weiteren Touristen unterwegs. Wir lernen hier wie es ist, eine Attraktion zu sein. Jede der Ladies wollte mit uns ein Foto. Wir haben uns kaputt gelacht miteinander.

Natürlich wird ein Besuch in diesem Park auch mit Führer z.B. bei GetYourGuide angeboten, aber das ist nun wirklich nicht notwendig. Der Park ist gut ausgezeichnet, man kann sich nicht verlaufen. Außerdem kann man, wenn man das in Eigenregie macht, selbst entscheiden wie lange man dort verweilen will. Viele geführte Touren verbringen nur rund eine Stunde im Park. Das war uns von vorn herein zu wenig.
Aufpassen muss man lediglich, dass bei Hochwasser, und das hatten wir so kurz nach der Regenzeit, der ein oder andere Spot nicht zugänglich ist. Zum Beispiel gibt es den sogenannten „Devil´s Pool“ auf der sambischen Seite. Das ist ein natürliches Becken in dem man Baden kann. Bei Hochwasser ist das überspült und somit gefährlich. Im Park selbst sind jede Menge Ranger die aufpassen, dass man nicht über die Brüstungen steigt oder sonst einen Unsinn anstellt. Man kann diese Leute auch jederzeit mit Fragen behelligen, sie geben bereitwillig Antwort, das Englisch ist sehr gut und weit verbreitet.


Wir starten also allein los in den Park. Bei Hochwasser ist es ratsam einen Regenschutz dabei zu haben. Es ist nass, die Gischt ist bis hier oben zu spüren. Falls du nicht daran gedacht hast einen Regenschutz mitzunehmen, man kann im Park selbst einen ausleihen. Regenschirm ist nicht zielführend, weil das Wasser auch von unten kommt. Immer im Fahrwasser der Schwestern folgen wir dem Weg durch den Park. Dann kommt eine Brücke zu einer Insel. Wir können das Ende der Brücke nicht sehen, weil es in der Gischt verschwindet. Spätestens hier ist man dankbar für den Regenschutz. Aber die Schuhe! Meine Freundin trägt Flip Flops (und ich hab sie noch verspottet: „Wandern mit Flip Flops, geht ja mal gar nicht!“), ich natürlich Wanderschuhe. Um es kurz zu machen – ihre Wahl war besser. 🙂

Wir drehen eine Runde auf der Insel und müssen dann den gleichen Weg zurück, wieder über die Brücke. Nachdem meine Schuhe in der Hitze schon ein wenig angetrocknet sind, ziehe ich sie einfach aus und laufe barfuß. Auch das ist möglich und machbar. Wieder vorn am Eingang machen wir noch einen Schlenker in die andere Richtung, dort wo der Sambesi Anlauf nimmt, sich hinab zu stürzen. Auch das ist, vielleicht etwas weniger spektakulär, aber dennoch sehenswert mit all den Stromschnellen. Hier sind große Warnschilder, dass man doch bitte nicht baden sollte, weil – es geht bald 100 Meter abwärts.

Falls es unter den Lesern Postkartenschreiber gibt: Kauft sie hier im Park. Kurz nach Beginn des Rundweges ist ein kleiner Kiosk im Park, das ist der einzige Platz, an dem es Postkarten gibt. 🙂 Wir gehen erst einmal raus, weil es vor dem Parkzugang jede Menge Händler gibt. Ein klein wenig nervig sind sie, aber meine Frage nach Postkarten….. und Ruhe ist, hat nämlich keiner von ihnen. Wir drehen nochmal um, bitten den Ranger am Eingang uns nochmal rein zu lassen, wegen der Postkarten und, was soll ich sagen: er ist super freundlich und hat uns nochmal reingelassen.
Dann gehen wir zurück zum Eingangstor und warten auf dem Parkplatz auf unser Taxi. Da sollte man vorher den Pick-up wieder ausmachen, hier steht nicht so einfach eines herum. Wenn man selbst fährt …. alles festbinden, hier lungern gerne Affen rum, um irgendetwas abzugreifen. Für uns waren sie putzig anzusehen – für den Fahrer des einen Autos waren sie vermutlich auf der Abschussliste, weil sie sich an den Scheibenwischern ausgetobt haben.


Sambia hat uns sehr gut gefallen. Ich bin sicher, ich werde da nicht das letzte Mal gewesen sein. Die Victoria Fälle sind ja nur ein ganz kleiner Zipfel am südlichen Ende Sambias und es gibt noch unfassbar viel dort zu sehen. Von daher gehe ich mal davon aus: CU 🙂
