Zwei Dinge gleich vorab. Erstens: Ich habe den Regen gepachtet beim Wandern, sprich, es schüttet. Der Wetterbericht vorher hatte zu dem Thema nix gesagt, ich bin nicht vollumfänglich ausgerüstet, aber dank meinem Mann habe ich einen Regenponcho im Kleinformat im Rucksack, der heute herhalten muss. Was mich zu der Empfehlung bringt: Die Dinger sind klein, leicht, nicht teuer und im Zweifel unbezahlbar. Zweitens: „Finale … für mich“ bedeutet: Der Limeserlebnisweg geht ohne großes Tamtam oder groß erkennbar in den Limesweg (die lange Variante) über. Einziger Unterschied, der Zusatz „Limeserlebnisweg“ ist nicht mehr da.
Heute wandere ich wieder mal von West nach Ost, da ich bei Ankunft noch nach Hause fahre und ich mich nicht auf mein Timing für das „alle-zwei-Stunden-ein-Bus“ verlassen will. Bei meinem Glück laufe ich ein, wenn der Bus gerade weg ist.

Dementsprechend starte ich in Holzhausen an der Haide, wo der Bus faktisch vor dem Geburtshaus von Nicolaus August Otto hält. Etwas jünger als das römische Imperium und der Erfinder des Otto-Motors. Das kleine Museum hat geöffnet und ich schaue kurz hinein, wenn ich schon mal da bin, zumal der Eintritt frei ist. Nebenbei ist hier die Möglichkeit, meinen Regenponcho auszupacken, den ich wirklich brauche neben meinem Regenschirm. Nach einem kurzen Besuch folge ich auch gleich dem Weg in Richtung des Kastell Holzhausen.
Der Limeserlebnisweg hört hier einfach auf, oder wahlweise fängt er an. Wie schon am anderen Ende des Weges, einfach so.
Auch hier sind wieder erst mal die Wachtürme, ihre Repliken oder der Hinweis, dass sie hier standen, das Erste, worüber man stolpert. Nach nur runden fünf Kilometern erreicht man das Kastell. Und ich muss sagen, abseits der kommerziell genutzten Saalburg ist dies hier am besten erhalten. Mit Mauern, die das gesamte Kastell umschließen, und auch einigen mehr oder minder gut erhaltenen Mauerresten von im Kastell befindlichen Gebäuden. Man erkennt sehr gut, wie hoch die Mauern das Gelände umfasst haben und auch die vier Tore in jede Richtung.
Im Inneren des Geländes gibt es auch wieder einige Schautafeln mit Informationen.


Der Limes war nie der abgeschlossene Wall, wie wir ihn uns heute gerne vorstellen. Er war keine chinesische Mauer. Alle Kleinkastelle oder Kastelle im Grenzgebiet waren mehr Zollstationen und Kontrolle, wer auf römisches Gebiet wollte. Natürlich, wenn es mal wieder gescheppert hat, war die Kontrolle strenger oder auch mal ganz dicht. Aber in den rund zwei Jahrhunderten war das Zusammenleben mit den germanischen Stämmen (nach heutiger Erkenntnis) eher auf den Handel ausgerichtet.
Der Regen lässt nach und ich laufe weiter. Das nächste Schild hat als nächsten Haltepunkt das Kastell Kemel in 12 Kilometern ausgewiesen, dort steht mein Auto. Also gibt es auf dem Rest der Strecke nicht mehr viele Highlights, außer dass es ein typischer Apriltag ist. Regenponcho an, Regenponcho aus, zwischendurch sogar mal so viel Sonne, dass es mir warm wird und ich die Jacke ausziehe.


In dem Ort Huppert komme ich noch mal an einer Limesspur vorbei, die das Kastellum Dörsterberg anpreist. In dem Moment regnet es gerade mal wieder und ich laufe diesen Umweg nicht. Nach rund 12 Kilometern komme ich dann an eine eher ungewöhnliche Stelle. Bisher war der Limes immer mehr oder weniger gerade. Hier an dieser Stelle knickt er in einem Winkel von 104° ab. Außerhalb des Knickes war ein Wachturm. Warum war hier so ein Knick? Was hat die Römer dazu bewogen? Die Landschaft (zumindest die heute) gibt dazu nix her. Dass es so war, haben moderne Methoden der Bodenanalyse ergeben, etwa die Geomagnetik oder die Geoelektrik (heute ist nicht mehr nur mit der Zahnbürste Sand und Dreck wegmachen in der Archäologie state of the art) Auch dazu habe ich auf meinem Weg Infotafeln gefunden und wahrlich viel gelernt. Trotzdem: Manche Dinge können wir heute nicht mehr erklären.


Die letzten paar Kilometer ziehen sich dann wieder ein wenig, bis ich den Wachturm von Kemel sehe, in dessen Nähe mein Auto steht und damit mein Projekt „Limeserlebnisweg“ sein Ende findet.

Da ich ein sehr neugieriger Mensch bin, ist mit diesem Weg das Thema Römer bei mir noch lange nicht fertig. Eher im Gegenteil. Im Schatten der Saalburg aufgewachsen, bin ich eher entrüstet über mich selbst, wie wenig ich bis dato darüber wusste. Deswegen ist meine derzeitige Lektüre auch gleich das Buch „SPQR – die tausendjährige Geschichte Roms“ von Marie Beard. Die wird mit meinem E-Book-Reader zum nächsten Projekt reisen – dem Regnistzradweg und danach nach Afrika. Ihr dürft gespannt sein.
