Dieser Weg ist mir beim Nordic Walking schon ins Auge gestochen. Nachdem @FAZ bei Komoot diese Woche den Seulberger Ostermarkt als Thema hatte, war die Idee geboren. Ich mache endlich mal diesen Weg (Wetter war heute ja auch Bombe) und besuche zum Abschluss ebendiesen Ostermarkt.
Mit dem Fahrrad fahre ich zum S-Bahnhof von Seulberg und laufe zum Einstieg des Weges ca. 500 Meter. Das große gelbe F zeigt mir den Weg. Grundsätzlich geht der Weg um die Stadtteile von Friedrichsdorf und ist beidseitig ausgeschildert. Somit biege ich nach rechts ab und mache mich erst mal auf den Weg entlang von Seulberg, nach Dillingen.


Entlang von Weiden geht es in Richtung Wald, ein kurzes Stück durch die Sportanlagen (hier fehlt schon mal ein Schild und man muss ein wenig aufpassen) zum Kletterpark, der im Moment noch geschlossen ist. Wenn man jetzt rechter Hand an Hühnern vorbeikommt, lohnt ein genauerer Blick. Hier hält jemand Nandus, zumindest zwei sehe ich, leider recht fern. Weiter geht es durch den Wald, wieder ein paar Felder, über eine Straße und wieder in den Wald, immer leicht bergauf.
Dann kommen die Häuser von Dillingen in den Blick. Das ist der jüngste Stadtteil von Friedrichsdorf, erst 1804 gegründet. Hier läuft man am Waldrand entlang und hat rechter Hand einen spektakulären Weitblick, wenn die Bebauung es zulässt. Hier ist der höchste Punkt der gesamten Wanderung erreicht.


Weiter geht es in Richtung Köppern. Hier verfehle ich den Weg irgendwann und laufe kurz frei der Nase nach, was mich durch ein Klinikgelände führt. Das Waldkrankenhaus ist eine Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und, offensichtlich, nicht abgeschlossen. Es gibt mehrere Gebäude, die zum Teil auch alt sind. Eines davon ist eine Mühle mit einem Infoschild, die mich kurz innehalten lässt. Hier finde ich auch mein Wanderzeichen wieder. Also geht der Weg auch durch das Klinikgelände, wenn man sich nicht verläuft.
Hier laufe ich dann bewusst eine Abkürzung, nicht entlang der Straße, sondern kurz hinter der alten Mühle die Treppe hoch. Dort wohnt offensichtlich Klinikpersonal. Nach rund 100 Metern erreiche ich wieder meinen Weg und drehe weiter meine Runde rund um Köppern, wobei ein kurzes Stück durch ein Wohngebiet geht.
Friedrichsdorf ist eine junge Stadt. Sie wurde erst 1687 von rund 30 Hugenottenfamilien, vertriebenen Glaubensflüchtlingen aus Frankreich, gegründet. Die Stadtteile sind teilweise um einiges älter als dieser Ort selbst. Das war ein kurzer Geschichtsausflug.
Jetzt muss ich dann die A5 unterqueren. Es ist einiges los. Der kleine Tunnel ist dahingehend spannend, dass der Weg tiefer liegt als das Bachbett. Da hat man sich wirklich was einfallen lassen. Da es die Nacht zuvor gut geregnet hat, gibt es die ein oder andere Pfütze zum Ausweichen. Und ich habe offensichtlich mal wieder den Weg verloren, weil kein Wanderzeichen weit und breit, als ich kurz nach der Querung an eine Stelle komme, wo es mehr als eine Möglichkeit gibt, weiter zu laufen. Also genauerer Blick auf Komoot und ich laufe einfach den kürzesten Weg in Richtung Burgholzhausen, mein nächster Stadtteil.

Burgholzhausen ist der einzige Stadtteil von Friedrichsdorf, der östlich der A5 liegt und macht so gar nicht den Anschein, dass es dazu gehört. Eine Freundin von mir wohnt hier, wenn ich sie das nächste Mal sehe, frage ich sie danach, nehme ich mir vor. Burgholzhausen quere ich entlang des Erlenbaches, nicht mittendurch, eher am Rand. In der Turnhalle ist heute Flohmarkt und ich nutze die offene Halle für einen WC-Besuch. Man muss die Gelegenheiten nutzen, wenn sie sich bieten.
Ich finde an einer Brücke auch mein Zeichen wieder, das mehr von links, also der Ortsmitte, kommt. Aber egal, ich joine wieder meinen Weg und der wird jetzt ein wenig zäh, weil einfach nur Asphaltwirtschaftswege durch die Felder. Gut zum Vorankommen, aber langweilig und unschön zu laufen. Nachdem ich erneut die A5 quere, diesmal über eine Brücke, rufe ich meinen Mann an, weil mit dem will ich mich an dem Ostermarkt treffen und der ist im nächsten Ortsteil Seulberg. Um in den Ortskern von Seulberg zu kommen, der Ostermarkt ist an der Kirche im Heimatmuseum, muss ich mich vom gelben F verabschieden.



Seulberg ist einer der ältesten Orte im Hochtaunuskreis. Bereits in der Steinzeit ist hier Leben dokumentiert. Die Römer hatten hier eine Villa Rustica, es wurde im Lorscher Kodex (also ca. im Jahr 767) erwähnt und war durchgängig bewohnt. Ein Schild am Wegesrand erzählt, dass zur Zeit der Hexenverbrennung (1652-1656) hier 26 Frauen und 6 Männern das Leben genommen wurde. Eine verhältnismäßig hohe Zahl, wenn man die Gesamtbevölkerung von wenigen hundert Einwohnern damals unterstellt.
Auch der Ostermarkt ist einer der ältesten in Hessen. Allerdings weit nicht soo alt. Seit 45 Jahre lädt das Heimatmuseum dazu ein. Es ist ein kleiner, aber feiner Markt mit Ostereierkünstlern nicht nur aus der Gegend. Hier treffe ich mich mit meinem Mann. Wir schauen uns die Stände an, kaufen natürlich Ostereier ein und essen im Museumshof noch etwas. Ich, ganz klassisch, grüne Soße mit Kartoffeln und Ei. Da kann ich als Einheimische einfach nicht dran vorbei.
Danach machen wir uns auf, unsere Räder wieder am S-Bahnhof Seulberg abzuholen und heimzufahren.
Insgesamt ist der Weg nicht sonderlich spektakulär. Es ist mal die Möglichkeit, einen Ort kennenzulernen, den die meisten nicht so auf dem Schirm haben. Die Auszeichnung des Weges ist an der ein oder anderen Ecke ausbaufähig. Die Anbindung an den RMV ist gut. Mit, wenn man richtig läuft, 18,9 Kilometern eher anspruchsvoll. Der Ostermarkt ist sehenswert. Also alles in allem; kann man mal machen.
