Die nächsten beiden Tage verbringe ich auf dem Limeserlebnisweg grob zwischen Idstein und Nastätten, schon in Rheinland-Pfalz. Noch nie gehört? Ich auch nicht vorher. Um die beiden Etappen logistisch einigermaßen hinzubekommen, habe ich mir in Bad Schwalbach eine Unterkunft gesucht. Gar nicht so einfach, sofern man kein Kurgast ist. Im Hotel „Malepartus“ direkt am Kurpark wurde ich fündig. Die Unterkunft ist witzig gemacht mit viel Kunst und dem Vorteil, dass gleich im Erdgeschoss ein italienisches Restaurant ist mit guter Küche. Das habe ich dann auch die ganzen Tage genutzt.
An sich hätte ich in Dasbach weiterlaufen müssen (zur Erinnerung, da hatten Gudi und ich den Weg verlassen, um nach Idstein zu laufen). Leider ist Dasbach mit dem ÖPNV nicht sinnhaft zu erreichen ab Bad Schwalbach und schon gar nicht am Karfreitag. Also fahre ich mit dem Bus zu dem Punkt, der dem am nächsten liegt und steige dort in den Weg wieder ein. Der Ort heißt Eschenhahn. Leider ist die Haltestellenanzeige im Bus defekt und wenn man sich nicht auskennt, ist das unglücklich, da man nicht rechtzeitig die „Stopp“ Taste für den Busfahrer drücken kann. Mein Glück ist, dass die Fahrerin unfassbar nett ist und mir zuruft: „Jetzt muss du raus“. Danke an die supernette Fahrerin des Busses 265!

Bergan geht es wieder auf den Limeserlebnisweg. Das Kastell Zugmantel ist mein erster Orientierungspunkt. Also links ab, nach Westen in Richtung Kastell. Schon kurz drauf kommt von rechts ein weiterer Wanderweg, der sich mit den Römern beschäftigt, die Via Mattiacorum. Dieser Weg ist mit rund 28 Kilometern nicht ganz so lang und geht von Wiesbaden nach Idstein, entlang einer alten Römerstraße. Der ist auch schon vorgemerkt für ein anderes Mal, wenn das Wetter etwas besser ist.
Schon nach rund drei Kilometern ist das Kastell Zugmantel mit einem gut rekonstruierten Wachturm erreicht. Vor diesem Wachturm ist eine Holzpalisade errichtet, die eine Ahnung gibt, wie es hier damals aussah.
Der Limes ist in zwei Schüben gebaut worden. Die erste Bauphase war rund 100 n. Chr. mit Holzpalisaden und Holztürmen. Es war eine reiner Postenweg, mit kleinen Unterkünften für die diensttuenden Soldaten. Es ging primär darum, den Warenverkehr zu kontrollieren und in der Lage zu sein, Gefahren schnell zu melden.
In der zweiten Bauphase (ab ca. Mitte des 2. Jhd.) kamen dann die mit Stein befestigten Gebäude dazu, die vorhandenen hölzernen Wachtürme wurden durch Steinbauten ersetzt. Auch die hölzernen Palisaden wurden nach und nach durch Steinwälle ersetzt und durchgängig gestaltet. Als zusätzliches Sicherungsmittel wurden Gräben hinter den Wällen gezogen. Das war jetzt eine wirklich befestigte Grenze. (Kleiner Ausflug ins von mir Gelernte 😊)



Was hier im Kastell Zugmantel hinzukommt: Hier gab es zwei Amphitheater. Funde lassen den Schluss zu, dass hier wahrscheinlich Gladiatoren- und Tierkämpfe stattgefunden haben. Das war mir bis dato so nicht so klar. Dass sogar hier in der römischen Provinz Gladiatoren unterwegs waren. Die noch zu erahnenden Amphitheater darf man sich nicht so groß vorstellen, wie das Forum Romanum in Rom oder die Arenen in Arles. Es ist mit einem 48 Meter kreisrunden Erdwall jetzt dann eher übersichtlich. Aber mit ein wenig Fantasie erkennt man das noch.
Weiter geht’s durch Wälder und Felder immer entlang des Limes. Hin und wieder gibt es wieder einen Verweis auf den Rest eines Turms, nicht immer erkenne ich irgendwas. Nach rund sieben Kilometern kommt noch mal ein Abzweig zu einer kleinen Palisade. Dem gehe ich nach und stehe an einem Golfplatz. Linker Hand ist ein kleiner Palisadenzaun aufgebaut, vielleicht so drei Meter lang, der Blick geradeaus geht über den Golfplatz und seinen Spielern weg zum Hofgut Georgenthal. Wenn wer mal gut und luxuriös im Nirgendwo mit Golfmöglichkeit unterkommen will…. Hier ist ein tolles Hotel dafür.

Auf diesem Teil der Strecke gibt es viele kürzere Rundwanderwege, die sich mit dem Thema Römer befassen, die sogenannten Römerspuren.
Weiter des Weges komme ich noch an einem schön eingerichteten Rastplatz vorbei, der sich thematisch mit Spielen auseinandersetzt. Die Wachen hatten ja abseits von ihren Wachzeiten auf ihren kleinen Türmen nicht so viel zu tun. Also waren Spiele weitverbreitet. Hier an diesem Rastplatz ist ein Beispiel in den Boden eingelassen. Die Infotafeln befassen sich mit den Möbeln zu dieser Zeit und wie man so gegessen hat.




Bis nach Adolfseck, meinem offiziellen Limeserlebnisendpunkt heute, sind es jetzt dann noch runde acht Kilometer durch Feld und Wald. Singletrails, von Wildschweinen umgegraben, machen das Laufen weniger eintönig.
In dem Ort Adolfseck soll es neben einer Burg auch ein Kleinkastell geben. Ich gebe mir Mühe, aber ich sehe nix außer einer Wiese. Vielleicht unterirdisch, sprich, unter der Bodenkrume. Aber ich will jetzt dann auch langsam zum Ende kommen und verlasse den Weg, um nach Bad Schwalbach zu laufen. Nachdem das Wetter im Laufe des Tages von arschkalt zu ein wenig Sonne geworden ist, gehe ich in die Eisdiele „Paradiso am Rathaus“. Die selbstgemachte Limonade mit Orange und Ingwer ist super lecker und das Spaghetti Eis mit frischen Erdbeeren ist gut verdient.


