Heute einmal ein etwas anderer Reisebericht. Vorgestern bin ich aus dem Oman zurückgekommen und ich muss einfach darüber berichten. Solch ein tolles Land muss verewigt werden.

Wir sind am 19.11. abends mit der Oman Air (hier spare ich mit Lob) in Richtung Maskat losgeflogen, um am nächsten Morgen sehr früh vor Ort anzukommen. Ich hatte für die ersten beiden Nächte ein klassisches Business Hotel gebucht, ohne großen Luxus, einfach um unser Haupt nach dem Nachtflug zu betten und den nächsten Tag zum Schlafen zu haben. Nachdem wir um halb sieben morgens ins Bett gefallen sind (ich hasse Nachtflüge), sind wir gegen Mittag aufgestanden, haben etwas gegessen und von der Partneragentur von DER Tour vor Ort (Zahara Tours) unser Navigationsgerät in Empfang genommen. Wir hatten die Selbstfahrer-Tour vorab gebucht. Danach sind wir auch gleich ins Taxi und zur Royal Opera gefahren. Ein Bekannter hatte mir den Tipp gegeben, dass es in der angegliederten Passage Briefmarken gibt. Die seien sonst eher selten zu finden im Oman. Diese Aussage sollte sich relativieren, aber davon später.
Wer in den Kalender schaut, wird feststellen, dass der 20. November in diesem Jahr der Tag des Nationalfeiertags war. Diese Feiertage werden je nach Land sehr unterschiedlich gefeiert. Hier im Oman bedeutet das, dass alle mit dem Auto unterwegs sind, die Straßen von Polizei und Militär gesichert werden (vielleicht wollte auch einfach nur ein wichtiger Mensch in die Oper), sprich wir haben ewig gebraucht, um uns durch die vollen Straßen zu kämpfen, unser Taxi wieder zu bekommen, und dann mit ihm gemeinsam im Stau zu stehen. Merke: Nationalfeiertag im Oman bedeutet abends kein Auto fahren wollen.

Am nächsten Morgen haben wir dann unser Auto entgegengenommen. Die Straßen waren wieder leer, es war Freitag (also der Sonntag in islamischen Ländern) und dementsprechend war wenig los. Dachten wir. Es sollte sich herausstellen, die Straßen sind hier auch abseits des Feiertages eher leer. Die Stadtautobahn von Muscat vierspurig ausgebaut und super zu fahren. Fast jeden Kilometer steht ein Blitzer. Die Auszeichnungen sind sowohl auf Arabisch als auch in Englisch, sprich man kann sich orientieren. Das Fahren ist sehr entspannt.
Unser erstes Ziel ist Nizwa. Bis ins 12. Jhd. hinein war hier die Hauptstadt. Es hat ein großes Fort und einen sehenswerten Suq. Parken kann man direkt vor dem Suq kostenlos. Freitags ist Viehmarkt, dort werden größtenteils Ziegen, Schafe und Hühner verkauft; größere Tiere haben wir nicht entdeckt. Auch hier war der Freitag, abseits des Viehmarktes, nicht die beste Wahl. Während des Freitagsgebetes in der gegenüberliegenden Moschee waren die meisten Läden geschlossen, aber – zack – nach Ende des Gebetes ging es gleich weiter. Und hier habe ich sowohl Postkarten als auch Briefmarken bekommen. Also wenn man noch so oldfashioned unterwegs ist und diese Utensilien benötigt, der Gang auf einen Suq hilft. Nebenbei, das Porto international kostet 500 Baisas, egal ob nach Europa oder, wie in meinem Fall, nach Mexiko.



Zum Thema Suq. Die arabische Schreibweise erlaubt die Form Suq, als auch Souk. Basar wiederum heißt das Ganze in der Türkei oder im persisch-indischen Sprachraum.
Nachdem wir im Suq ein wenig geschlendert sind, sind wir noch zum Fort. Da war auch Gebetspause und nun gab es eine recht lange Schlange. Wir haben darauf verzichtet, ein Ticket zu kaufen und die Innenräume anzuschauen und haben nur die Außenanlagen besichtigt, die sind umsonst. In dem Fort gibt es ein kleines Café, eine Toilette, eine Gartenanlage mit ein paar Tieren und Mitmachworkshops für Kinder.


Zurück am Auto machen wir uns dann auf den Weg zum Jabal Akhdar (grüner Berg). Es ist das Gebiet mit den beiden höchsten Bergen des Omans.
Ich hatte mich beim Recherchieren für diese Region gewundert, warum man denn zwingend einen Vier-Rad-Antrieb braucht, um dort hochzufahren und die ersten Videos dazu, die ich gefunden habe, waren ….. nun …… nicht sehr beruhigend. Schmale, ungeteerte Straßen, ungesichert – eine echte Herausforderung. Irgendwie konnte ich mir nicht so recht vorstellen, dass irgendwer Horden von Touristen (und diese Gegend ist einer DER Sehenswürdigkeiten) auf so einer Straße fahren lässt. DAS hätte man mit Sicherheit schon mal in den Nachrichten gehört.
Wenn man ein wenig hartnäckiger sucht und nicht gleich die ersten drei Treffer nimmt, werden die Videos touristentauglicher. Und das war dann in natura auch tatsächlich so. Die Straße ist sehr gut ausgebaut. Bevor man sich auf die Serpentinenstrecke macht, ist ein Checkpoint und der dortige Polizist hält dich an, begutachtet, dass du auch wirklich einen Vier-Rad-Antriebler hast, und gibt dir noch ein paar gute Tipps fürs Runterfahren. Dann bist du entlassen und darfst los.


Wann immer es diese Straße bergauf geht, ist sie zweispurig, geteert, mit Sicherheitsrandsteinen von der festen Sorte. Wenn man schon in den Alpen Passstraßen gefahren ist, ist man hier auf der sicheren Seite. Nachdem wir die Straße gemütlich bergauf gefahren sind, Kurve rechts, Kurve links, Sightseeingstopps an allen relevanten Stellen, Geschwindigkeitsbeschränkung auf 35 km/h, habe ich mich schon gefragt, warum man deswegen ein solches Auto braucht, aber andere Länder, andere Sitten.
Nach rund 40 Minuten sind wir oben auf der Hochebene und schnell ist unser Hotel das „Sama Hotel Jabal Al Akhdar“ gefunden. Unser Zimmer im 3. Stock hat eine Aussicht, die ich als spektakulär bezeichnen möchte. Und dann auch noch in Richtung des Sonnenuntergangs. Auf unserem Weg durch den Ort Al´Aqar habe ich Wanderzeichen entdeckt. Ein Blick in Komoot bestätigt mir das Gesehene und ich werfe nur schnell den Koffer ins Zimmer, lass meinen Mann allein zum Pool laufen und mache mich auf, den Weg zu erkunden. Nicht weit weg vom Hotel, also faktisch direkt an der Straße, die unterhalb vorbei geht, geht ein Weg entlang, der „Der drei Dörfer Weg“ genannt wird. Ich entscheide mich diesem noch ein wenig zu folgen. Leider ist es schon etwas später am Tag, was mich ein wenig beschneidet, da ich nicht in die Dunkelheit kommen will, aber ich kann etwas entlang der berühmten Bewässerungskanäle laufen. Die sind so ähnlich wie die Levadas in Madeira, gleiches Prinzip, andere Gegend, heißen hier Faladsch und gehören zum UNESCO Kulturerbe an diversen Stellen.


Die Aussicht ist auch hier spektakulär. Entlang des Weges sind zwei Cafés mit Sitzbänken. Der Weg ist schön ausgebaut und mit vielen Sitzbänken ausgestattet. Ich laufe so rund zwei Kilometer in die eine Richtung und drehe dann wieder um. Der gesamte Weg an dieser Stelle ist rund sechs Kilometer lang. Auf dem Weg zurück ins Hotel sehe ich noch eine Übersichtskarte mit den Wanderwegen hier oben auf dieser Hochebene. Das sind jede Menge. Somit gelangt diese Gegend prompt auf meiner Liste „Da muss ich nochmal hin“.



Ich komme rechtzeitig zum Sonnenuntergang wieder im Hotel an und wir schauen von unserem Balkon noch ein wenig zu, wie die Sonne hinter den Gipfeln verschwindet. Als es zu kalt wird, draußen rumzustehen, gehen wir rein und machen und bereit für das Abendessen.


